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Wohnen in Friedrichshain, Berlin
Das Ex-Ost, das heute einer der jüngsten und alternativsten Kieze der Stadt ist. East Side Gallery, legendäre Techno-Clubs, eine dichte Studentenpopulation.
Friedrichshain ist die östliche Hälfte des ehemals vereinten Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Es ist ein Kiez, der bis 1989 hinter der Mauer lag, von DDR-Industriearbeitern bevölkert. Nach der Wiedervereinigung leerte er sich und wurde dann von Studenten, jungen Leuten, Hausbesetzern, Künstlern wiederbevölkert. In den 2000ern gentrifizierte er, ohne seine junge Energie zu verlieren. Es wurde zum Lieblingskiez derjenigen, die "das Berlin des Technos und der Murals" leben wollen, ohne Kreuzbergs Preise.
Wer hier wohnt
Universitätsstudenten (die HU und andere Unis sind Minuten entfernt), junge Tech-Profis, eine große Schicht kreativer Expats (Italiener, Spanier, Franzosen, Amerikaner), Künstler, Musiker. Familien mit Kindern in wachsender Zahl, vor allem in den ruhigeren Teilen (Boxhagener Kiez). Wenige Ältere — die Demografie ist jung gerutscht.
Wie es tagsüber ist
Junges Straßenleben. Der Boxhagener Platz ist das Herz des Kiezes — samstags findet der Floh- und Bauernmarkt statt, unter der Woche sind die Cafés und Restaurants an den Seiten voll. Die Simon-Dach-Straße ist die Barzone (touristisch, abends zu meiden wenn du echte Lokale willst). Die East Side Gallery an der Spree ist das längste erhaltene Mauersegment, heute von Künstlern bemalt — einer der meistfotografierten Orte Berlins. Das RAW-Gelände, ehemalige Bahnwerkstätten, beherbergt Clubs, Galerien, kreative Räume.
Wie es abends ist
Abends ist Friedrichshain eines der Zentren des Berliner Nachtlebens. Berghain ist hier, unter den weltweit berühmtesten Techno-Clubs. Watergate, About Blank, Salon zur Wilden Renate. Das Nachtleben ist ernst, aber Berliner Art — nicht kommerziell, kein VIP, lange Clubschlangen. Die Bars des Boxhagener Kiezes sind bis spät voll, auch außerhalb des Club-Kontexts.
Sich bewegen
U5 (Frankfurter Tor, Samariterstraße, Magdalenenstraße), S-Bahn S3/S5/S7/S9 (Ostbahnhof, Warschauer Straße), Ringbahn (Frankfurter Allee). Ausgezeichnete Anbindung an den Rest der Stadt. Das Rad ist sehr beliebt — der Kiez ist flach und mit Radwegen gut versorgt.
Essen und einkaufen
Markt Boxhagener Platz samstags für Frisches. Flächendeckende deutsche Discounter (Lidl, Aldi, Netto). Restaurants: Vietnamese, Thai, vegetarisch, Ramen, Brunch — die Szene ist jung und international. Die Markthalle Pfefferbett ist weniger gefeiert als die Kreuzberger, aber solide. Anständige italienische Pizzerien.
Wann NICHT wählen
Wenn du nachts Ruhe willst — Wochenenden sind laut, Clubs bringen Leute um 4 Uhr morgens. Wenn du einen geordneten sauberen Kiez willst — Friedrichshain hat überall Murals und etwas rohe Gehwege. Wenn du dich politisch nicht in einem sehr "alternativen" Umfeld zuhause fühlst (links, sichtbarer Antifaschismus, noch aktive Hausbesetzer).
Friedrichshain ist die richtige Wahl, wenn du jung bist, wenn Nachtleben ein zentraler Teil deines Lebens ist, wenn du eine Gemeinschaft anderer kreativer Expats willst. Für viele Italiener unter 35 ist es das natürliche erste Ziel.