Wohnen in Marzahn, Berlin
Das Berlin der Plattenbauten, das DDR-Erbe in elfgeschossigen Fertigteilblöcken. Hinter dem schlechten Ruf ein grüner, gut versorgter Bezirk mit den überraschendsten Gärten der Stadt.
Geschichte und Identität
Marzahn war ein mittelalterliches Bauerndorf (Angerdorf) Brandenburgs, 1920 in Berlin eingemeindet, aber bis in die 70er Jahre ländlich. Zwischen 1977 und 1990 errichtete die DDR hier den größten Plattenbau-Komplex (Fertigteilblöcke aus Beton) des gesamten Ostblocks: 60.000 Wohnungen für 165.000 Menschen, auf einem Areal, das vorher aus Feldern bestand. Es war das Modell der "modernen sozialistischen Stadt" für die Arbeiterklasse. Nach der Wiedervereinigung litt Marzahn unter Arbeitslosigkeit, Abwanderung, sozialem Stigma. In den letzten 25 Jahren hat die Stadt stark in Sanierung investiert (Plattenbauten wurden neu gestrichen, gedämmt, modernisiert), und so eines der städtebaulich grünsten und funktionalsten Berliner Viertel geschaffen. Die Bevölkerung wächst langsam, besonders durch osteuropäische Einwanderung.
Was dich erwartet
Plattenbauten mit 6, 11 und 18 Stockwerken, saniert und neu gestrichen, mit großen Grünflächen zwischen den Gebäuden, Spielplätzen überall, Supermärkten, Kitas. Sehr breite Straßen, moderater Verkehr, Radwege. Die Bewohnerschaft ist überwiegend deutsche Arbeiterklasse, eine große Community von Russlanddeutschen, die in den 90ern zurückkehrten, sowie postsowjetische Einwanderung, einige alteingesessene vietnamesische Familien aus der DDR-Zeit. Echtes Kiezleben, kein Tourismus, sehr volkstümliche Atmosphäre. Der schlechte Ruf (rechtsextreme und neonazistische Präsenz in den 90ern) ist weitgehend überwunden, einzelne Inseln bleiben.
Verkehr
S-Bahn S7 (Marzahn, Springpfuhl, Poelchaustraße, Raoul-Wallenberg-Straße, Mehrower Allee, Ahrensfelde). Straßenbahnen M6, M8, M17, 16, 18, 27 — sehr dichtes Netz. Busse 154, 192, 195. Alexanderplatz in 25-30 Minuten mit der S-Bahn. Hervorragend fürs Fahrrad: breite, direkte Radwege.
Was du im Viertel machen kannst
Gärten der Welt — einer der schönsten Themenparks Berlins, mit chinesischem, japanischem, italienischem, balinesischem, koreanischem Garten und einer großen Terrasse mit Blick über Marzahn-Hellersdorf. Pflichtbesuch. Schloss Biesdorf am südlichen Rand. Marzahner Promenade Haupteinkaufsstraße. Eastgate Berlin, großes Einkaufszentrum. Cecilienplatz Mitte des alten Dorfkerns. Dorfkirche Alt-Marzahn, die mittelalterliche Dorfkirche, wunderbarerweise zwischen den Plattenbauten erhalten. Wuhlepark Wege entlang des Flusses Wuhle.
Für wen es ideal ist
Familien und junge Berufstätige, die Platz und Preise unter den niedrigsten Berlins suchen, Menschen, die der urbanen Vielfalt des Berliner Ostens offen begegnen, Bewohner, die riesige Grünflächen und Supermärkte in Reichweite schätzen. Weniger geeignet für jene, die historische Atmosphäre, Gourmetrestaurants, Nachtleben, "internationales Berlin"-Gefühl suchen — hier ist Berlin volksnah und arbeiterisch.