Oberbaumbrücke zwischen Kreuzberg und Friedrichshain

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Wohnen in Kreuzberg, Berlin

Multiethnisch, rebellisch, immer lebendig. Kreuzberg ist der Kiez, der am meisten von der alternativen Seele des Berlins der 80er und 90er Jahre bewahrt hat, und wo die türkisch-berlinerische Community seit Generationen zu Hause ist.

Kreuzberg teilt sich traditionell in zwei Hälften: Kreuzberg 36 (östlicher Teil, rebellischer, wo in den 80ern Hausbesetzer, Anarchisten und Türken wohnten) und Kreuzberg 61 (westlicher Teil, bürgerlicher, intellektueller, historisch weniger radikalisiert). Die Codes beziehen sich auf die alten Postleitzahlen Westberlins. Heute sind die Unterscheidungen verschwommener, aber noch wahrnehmbar.

Wer hier wohnt

Eine sehr gemischte Bevölkerung. Die türkisch-deutsche Community ist seit drei Generationen hier (seit den 60ern, mit der Ankunft der Gastarbeiter). Es gibt eine große Schicht internationaler kreativer Expats — Künstler, Musiker, Freelance-Entwickler. Linke deutsche Familien. Studenten. Eine historische arme Bevölkerung noch stark in 36. Sehr viele Italiener, Spanier, Franzosen, die für das "Berlin der Möglichkeiten" kamen.

Wie es tagsüber ist

Kontinuierliches Straßenleben. Der Türkenmarkt am Maybachufer, dienstags und freitags, ist eine Institution: Obst und Gemüse zu fairen Preisen, türkische Käse, gözleme (Fladen), Gewürzgeruch. Der Görlitzer Park ist der zentrale Park — hatte in den letzten Jahren Drogen- und Sicherheitsprobleme, heute besser. Der Bergmannkiez (Kreuzberg 61) ist die postkartenfreundlichere Seite: Cafés, Vintage-Läden, italienische und libanesische Restaurants in der Bergmannstraße. Die Oranienstraße ist das alternative Herz: Bars, Tätowierer, Vintage-Shops.

Wie es abends ist

Das Nachtleben ist legendär. Vinyl-Bars, türkische Lokale, die bis spät offen sind, Techno- und House-Clubs (SO36, Watergate). Mehringdamm und Wrangelstraße sind dicht mit Kebabs und vietnamesischen Restaurants bis in die Nacht. Sommernächte sind lang und warm, mit Partys auf Brücken, an der Spree, in Hinterhöfen.

Sich bewegen

Die Hauptlinien sind U1 (historische Hochbahn quer durch Kreuzberg), U6, U7, U8. Görlitzer Bahnhof, Kottbusser Tor, Schönleinstraße, Mehringdamm sind die Knoten. Das Rad ist das Verkehrsmittel schlechthin — Kreuzberg hat einige der besten Radwege der Stadt entlang des Landwehrkanals.

Essen und einkaufen

Türkenmarkt, türkische Supermärkte (Bizim Bakkal in der Wienerstraße, Akay Markt in der Skalitzer Straße) mit Preisen unter deutschen Discountern. Markthalle Neun (Eisenbahnstraße) donnerstagabends für den Street Food Thursday. Restaurants: hochwertigste Kebabs (Mustafa's, Hasir in der Adalbertstr.), Levantine, Vietnamese (Co Chu, Hanoi), internationale Brunches. Die Bergmannstraße bündelt das "bürgerlichere" Angebot.

Wann NICHT wählen

Wenn du absolute Stille willst: Wochenenden sind laut, Sommernächte lang, und im Sommer füllt sich der Kiez mit Touristen und Bewohnern, die in den Parks campieren. Wenn du einen "geordneten" und "sauberen" Kiez brauchst: Kreuzberg hat seine raue Schönheit, gemacht aus getaggten Wänden und etwas schmuddeligen Gehwegen. Wenn dich ein Viertel mit noch sichtbaren sozialen Spannungen (Gentrifizierung vs. alteingesessene Bevölkerung) belastet.

Kreuzberg ist die richtige Wahl, wenn du urbane Energie liebst, wenn du in Gehweite vom Markt und den Clubs leben willst, wenn dir die Idee einer Stadt, die sich verändert während du dort wohnst, interessant erscheint. Für viele kreative Expats ist es "das echte Berlin".

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