Leben in Bayenthal, Köln
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Bayenthal war ein Fabrikviertel, bevor es ein Wohnviertel wurde, und es hat noch immer dessen Gestalt: enge Blöcke, eine lebendige Geschäftsstraße an der Goltsteinstraße und eine vierfach höhere Bevölkerungsdichte als das Villenviertel, an das es grenzt.
Bayenthal liegt im Stadtbezirk Rodenkirchen, auf der linken Rheinseite unmittelbar südlich der Innenstadt. Die Bahnstrecke zur Südbrücke trennt es im Norden von Neustadt-Süd, im Westen liegt Raderberg, im Süden Marienburg, im Osten der Rhein. Auf seinen 1,28 Quadratkilometern wohnen rund zehneinhalbtausend Menschen – die vierfache Dichte von Marienburg nebenan, was schon viel über den Unterschied zwischen beiden sagt.
Was es ist
Ein altes Industrievorort, das zum Wohnviertel wurde. Die Kölnische Maschinenbau AG eröffnete hier 1856 ihr Werk und beschäftigte 1864 fünfzehnhundert Menschen; sie baute Maschinen und Stahlkonstruktionen, darunter den Dachstuhl des Kölner Doms. 1909 wurde sie übernommen und später in anderen Firmen aufgelöst. Auch ein Holzsägewerk und mehrere Brauereien waren hier ansässig, wobei die Brauereien Adler und Hirsch 1931 fusionierten. Arbeiterwohnungen entstanden entlang der Alteburger Straße, und im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts verschwanden die Fabriken, die Wohnhäuser blieben. Geblieben ist ein kompaktes Raster aus vier- und fünfgeschossigen Blöcken – teils wilhelminisch, vieles aus dem Wiederaufbau nach dem Krieg, einiges neuerer Lückenschluss –, mit der Goltsteinstraße als Geschäftsachse mitten hindurch. Am östlichen Rand liegt der Rhein, doch zwischen den Häusern und dem Wasser verläuft der Gustav-Heinemann-Ufer, eine vierspurige Hauptverkehrsstraße.
Wer hier wohnt
Eine breite Mitte: Angestellte in Büros und im öffentlichen Dienst, Handwerker, Familien in lange bewohnten Wohnungen, Studierende und junge Berufstätige, die die Südstadt wollten, ohne die Südstadt-Mieten, sowie eine beträchtliche ältere Bevölkerung. Es ist gemischter als Marienburg und ruhiger als Neustadt-Süd, und es bietet eines der besseren Angebote an normalen Mietwohnungen im Süden der Stadt, weshalb auch Zimmer in Wohngemeinschaften immer wieder frei werden. Die Fluktuation ist mäßig: Wer nach Bayenthal zieht, bleibt meist jahrelang.
Wie es tagsüber ist
Normal, geschäftig, selbstversorgend. Die Goltsteinstraße übernimmt die Aufgaben eines kleinen Stadtzentrums – zwei Vollsortimenter, ein Discounter, ein Biomarkt, eine Drogeriekette, mehrere Bäckereien, eine Metzgerei, Cafés mit Außenbestuhlung. Die Seitenstraßen sind Wohnstraßen und recht ruhig. Einen großen Park gibt es im Viertel nicht; grüne Alternativen sind der Rheinuferweg jenseits der Hauptverkehrsstraße, der Südpark ein kurzer Spaziergang nach Süden in Marienburg und der Vorgebirgspark im Westen. Der Uferweg selbst ist hervorragend: eben, durchgehend und eine gerade Strecke nach Norden in die Innenstadt.
Wie es abends ist
Nachbarschaftlich im kleinen Maßstab. Bayenthal hat Restaurants – italienische, griechische und asiatische –, einige Weinbars und eine Handvoll Kneipen entlang und rund um die Goltsteinstraße. Sie füllen sich mit Einheimischen, nicht mit Leuten, die eigens dafür angereist sind. Es ist kein Ausgehviertel und war nie eines. Die Südstadt, das Ausgehviertel für diese ganze Seite der Stadt, liegt zwei oder drei Haltestellen nördlich mit der Bahn, und der Chlodwigplatz ist nah genug, um an einem schönen Abend zu Fuß zurückzulaufen.
Mobilität
Die Stadtbahnlinien 16 und 17 verlaufen am Rheinufer entlang durch das Viertel und halten in der Mitte an der Haltestelle Schönhauser Straße und am südlichen Rand am Bayenthalgürtel. Nach Norden erreichen sie in wenigen Minuten den Ubierring und den Chlodwigplatz und fahren weiter über Barbarossaplatz und Poststraße zum Neumarkt, etwa eine Viertelstunde von der Haustür entfernt. Nach Süden fährt Linie 16 am westlichen Ufer hinunter in Richtung Wesseling und Bonn, Linie 17 nach Rodenkirchen und Sürth. Die Buslinien 106, 130, 132, 133 und 134 erschließen die Straßen abseits der Bahn. Das eigentliche Plus ist das Fahrrad: Der Rheinradweg bringt einen in fünfzehn Minuten ins Zentrum, ohne einen einzigen Hügel. Den Gustav-Heinemann-Ufer zu Fuß zu überqueren, erfordert eine Querungsstelle, deshalb sollte man vor dem Einzug prüfen, wo die nächste liegt.
Essen und Einkaufen
Die Goltsteinstraße deckt alles ab – Supermärkte in mehreren Preisklassen, einen Bio-Markt, eine Apotheke, Bäckereien auf beiden Seiten, eine Metzgerei, einen Blumenladen. In der Marktstraße gibt es einen asiatischen Lebensmittelladen, und weitere Supermärkte an der Bonner Straße am westlichen Rand. Die Restaurants sind eher verlässlich als modisch, und die Preise liegen unter denen der Südstadt. Wer eine größere Auswahl möchte, geht nach Norden in die Südstadt, die nah genug ist, um als Erweiterung des Viertels zu gelten.
Wann man es besser meidet
Man sollte Bayenthal meiden, wenn man den Rhein vom Fenster aus sehen möchte: Die Hauptverkehrsstraße am Ufer ist laut, und das Wasser liegt jenseits davon, sodass die Wohnungen am Fluss die lautesten im Viertel sind. Man sollte es ebenso meiden, wenn man einen großen Park innerhalb der Grenzen, Nachtleben in fußläufiger Entfernung oder historische Architektur in ununterbrochenen Reihen erwartet – Krieg und Wiederaufbau haben viel vom alten Bestand gekostet. Und man sollte es meiden, wenn man die günstigsten Zimmer Kölns sucht, denn die findet man nicht im Süden der Stadt. Wer mehr Leben und mehr Bars will, schaut nach Norden zum Südstadt-Ende von Neustadt-Süd; wer dieselbe Bahn für weniger Geld möchte, sieht nach Westen nach Raderberg oder Zollstock; wer Ruhe und Platz will und dafür zahlen kann, schaut nach Süden nach Marienburg.
Bayenthal ist die richtige Wahl, wenn man ein gefestigtes, gut versorgtes, fußgängerfreundliches Viertel mit einer echten Geschäftsstraße, einer schnellen Bahn und einer Radroute am Fluss in die Stadt sucht – ohne dafür Südstadt-Preise zu zahlen. Für junge Berufstätige, Paare und kleine Familien, die nah am Zentrum, aber nicht mitten darin wohnen wollen, ist es eine der praktischsten Adressen auf dieser Seite Kölns.