Leben in Bickendorf, Köln
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Bickendorf ist, was Ehrenfeld vor zwanzig Jahren war: ein arbeitendes Veedel mit Siedlungen aus den 1920er-Jahren und türkischen Gemüsehändlern entlang der Venloer Straße, günstiger als alles Nähere zur Innenstadt und mit zwei Stadtbahnlinien angebunden.
Bickendorf gehört zum Stadtbezirk Ehrenfeld, nordwestlich der Innenstadt. Im Norden und Nordosten liegt Ossendorf, im Süden und Südosten Ehrenfeld, im Westen Vogelsang. Auf seinen 2,33 Quadratkilometern leben rund sechzehntausend Menschen. Bis zur Eingemeindung nach Köln im Jahr 1888 war Bickendorf ein Bauerndorf, und die Stadt baute es in den folgenden Jahrzehnten als Wohngebiet aus.
Was es ist
Ein Viertel mit geplanten Siedlungen statt spekulativer Mietskasernen. Ab etwa 1915 ließ die städtische Wohnungsgesellschaft GAG hier mehrere hundert Arbeiterwohnungen errichten, und ab 1923 entstand die Siedlung Rosenhof, entworfen von einer Gruppe von Architekten unter ihnen Wilhelm Riphahn. Die Bauherren folgten dem Kölner Motto Lich, Luff un Bäumcher: Licht, Luft und ein paar Bäume. Dieses Prinzip ist noch heute sichtbar: niedrige Zeilen um begrünte Innenhöfe, breite Grünstreifen und die Grünfläche Der Rosengarten im Herzen des Rosenhofs. Zwischen den Siedlungen verlaufen gewöhnliche Straßen mit kleinen Mehrfamilienhäusern und Nachkriegsbebauung. Die Rochuskirche, 1849 vollendet, und der Platz davor bilden den historischen Mittelpunkt. Die Venloer Straße führt als Fortsetzung der Ehrenfelder Hauptgeschäftsstraße durch das Viertel.
Wer hier lebt
Eine ausgesprochen arbeitende und multikulturelle Bevölkerung, mit einem deutlich über dem Kölner Durchschnitt liegenden Anteil an im Ausland Geborenen und einer ebenfalls überdurchschnittlichen Arbeitslosenquote. Dazu kommen seit langem ansässige türkische, kurdische, marokkanische und italienische Familien, ältere deutsche Bewohner, die in den GAG-Siedlungen aufgewachsen sind, und eine wachsende Zahl junger Mieter und kleiner Familien, die durch die Mieten aus Ehrenfeld verdrängt wurden. Gerade diese letzte Gruppe zeigt, warum sich ein Blick hierher lohnt: Bickendorf ist das Nächste an bezahlbar, das noch zwei Stadtbahnlinien und eine echte Einkaufsstraße hat.
Wie es tagsüber ist
Alltäglich und unpoliert. Die Venloer Straße trägt das Geschäftsleben: Gemüseläden, Metzgereien, Bäckereien, Handyshops, Discounter und Imbissstände. Ab dem Morgen sind die Gehwege belebt. Rund um den Rochusplatz und den Wochenmarkt in der Vitalisstraße hat das Viertel seinen sozialen Mittelpunkt. Die Siedlungsstraßen dahinter sind ruhig, mit Kindern auf Fahrrädern und Wäsche auf den Balkonen. Grünflächen gibt es verstreut statt konzentriert: den Rosengarten, die Innenhöfe der Siedlungen und die größeren Parks gleich hinter der Grenze in Ossendorf und Neuehrenfeld.
Wie es abends ist
Ruhig, lokal und früh. Es gibt Eckkneipen, türkische Cafés, ein paar Restaurants entlang der Venloer Straße und sonst nicht viel, keine Clubs, keine Barmeile, keine Menschenmengen. Das abendliche Leben Bickendorfs findet eine Haltestelle weiter auf der Linie statt, in Ehrenfeld, wo die Musikclubs und die späten Bars sind, und beide Linien fahren danach wieder zurück. Manche Straßen können nach Einbruch der Dunkelheit trist wirken, besonders an den breiteren Straßen und an den Industrierändern Richtung Ossendorf. Die Siedlungsstraßen selbst sind unauffällig und normal.
Fortbewegung
Die Stadtbahnlinien 3 und 4 verlaufen beide durch das Viertel und halten an der Wolffsohnstraße, am Akazienweg und am Rochusplatz. Vom Rochusplatz fahren sie über die Leyendeckerstraße, die Venloer Straße/Gürtel, die Körnerstraße und die Piusstraße, das Herz von Ehrenfeld, weiter zum Hans-Böckler-Platz/Bf West, zum Friesenplatz, zum Appellhofplatz und zum Neumarkt. Die Innenstadt ist also in etwa einem Dutzend Minuten erreicht, Ehrenfeld in drei oder vier. Linie 3 führt weiter nach Norden nach Bocklemünd und zum Görlinger Zentrum. Linie 4 zweigt ebenfalls nach Bocklemünd ab und fährt in die Gegenrichtung über den Rhein nach Mülheim und Schlebusch. Die Buslinien 139, 140, 141 und 143 erschließen die Straßen abseits der Bahn. Das Gelände ist flach, und mit dem Fahrrad ins Zentrum braucht man etwa zwanzig Minuten.
Essen und Einkaufen
Günstig und gut sortiert. Die Venloer Straße hat an beiden Enden Discounter, türkische und nahöstliche Gemüsehändler, die bei Obst und Gemüse die Ketten unterbieten, halal Metzgereien und Bäckereien, die sehr früh öffnen. Der Wochenmarkt in der Vitalisstraße nahe dem Rochusplatz bietet frische Produkte. Essen gehen heißt hier türkisch, kurdisch, syrisch und italienisch, zu Preisen, die in der Neustadt undenkbar wären, dazu die üblichen Imbissbuden. Wer Anspruchsvolleres sucht, ist in drei Haltestellen in Ehrenfeld.
Wann man es besser meiden sollte
Lassen Sie es, wenn Sie eine gepflegte Straßenszene, ein Ausgehviertel oder eine Cafékultur suchen. Davon gibt es hier nichts, und die Teile nahe den Industrierändern sind eindeutig rau. Lassen Sie es auch, wenn Sie Altbau mit Stuckdecken wollen, denn der Bestand besteht überwiegend aus Siedlungshäusern der Zwischenkriegszeit und Nachkriegsblöcken. Lassen Sie es, wenn Sie einen Park vor der Tür brauchen oder Hauptverkehrslärm nicht mögen, denn die Venloer Straße ist laut. Wenn Sie dieselbe Anbindung mit mehr Leben und bei höherem Budget wollen, schauen Sie nach Südosten, nach Ehrenfeld oder Neuehrenfeld. Wenn Sie ruhiger und grüner zu einem ähnlichen Preis suchen, schauen Sie nach Westen, nach Vogelsang.
Bickendorf ist die richtige Wahl, wenn das Budget die Grenze setzt und Sie trotzdem die Innenstadt in einer Viertelstunde ohne Umstieg erreichen wollen: zwei Stadtbahnlinien, eine arbeitende Einkaufsstraße, ein Wochenmarkt und Mieten, die in den näher gelegenen Vierteln verschwunden sind. Für Studierende, Auszubildende, Neuankömmlinge und alle, die auf die Miete achten müssen, gehört es zu den preiswertesten Adressen in Köln.